Unternehmen

Hinter den Kulissen in der Produktion

Hightech trifft Handwerk

Wie entsteht ein WeberHaus? Wer sind die Menschen, die dahinterstecken? In dieser Reportage werfen wir einen Blick hinter die Kulissen in Rheinau-Linx.

Die gewaltige Halle ist erfüllt von einem Sammelsurium an Geräuschen: Surren, Klopfen und Rattern – durchzogen von lauten Rufen und bisweilen einem Lachen. Ab und an kreischt eine Maschine auf und sorgt für einen Schreckmoment bei Besuchern, die so etwas nicht gewohnt sind und ohne Ohrenschutz unterwegs sind. Keine Frage: Es ist eine Menge los – hier, wo WeberHaus in Rheinau-Linx seine Fertighäuser produziert. In der Luft liegt der würzige Duft von Holz. Dutzende Mitarbeiter in roten Pullovern oder T-Shirts mit WeberHaus-Logo stehen an Maschinen, huschen mit Gabelstaplern durch die Halle oder prüfen Materialien und Verarbeitung. Mittendrin: Jürgen Peter. Der 59-Jährige ist Produktionsleiter bei WeberHaus. An diesem kühlen Wintermorgen hat er jede Menge zu erzählen – und kommt bisweilen ins Schwärmen. Etwa zwölf bis 15 Häuser werden hier in Rheinau-Linx pro Woche produziert; verschiedene Baureihen ebenso wie die individuell geplanten Architektenhäuser. Allein der logistische Aufwand, der dahintersteckt, ist immens: „Pro Tag rollen hier mehr als 30 Lkw heran. Und pro Tag verarbeiten wir 60 bis 75 Kubikmeter Holz“, sagt Jürgen Peter.

Produktionsleitung

Produktionsleiter Jürgen Peter hat ein Auge darauf, dass beim Bau eines Weber-Hauses von vorne bis hinten alles stimmt.

Doch wie entsteht ein WeberHaus? Zunächst auf dem Papier. Wenn der Kunde den Bauplan für sein Haus abgesegnet hat, geht es an die Feinarbeit: Die Konstrukteure bei WeberHaus legen jedes einzelne Bauteil fest. Sie berechnen sogar, wie viele Klammern oder Schrauben gesetzt werden müssen und in welchem Abstand. „Maßarbeit ist bei uns das A und O“, sagt der Produktionsleiter und führt zu einer Maschine, die große Klammern in Holzbalken tackert. Sie sieht aus wie ein rechteckiger Stahlbogen. „Jetzt kann es noch mal ein bisschen lauter werden“, sagt Jürgen Peter grinsend und hält sich vorsorglich schon einmal die Ohren zu. In Schrittgeschwindigkeit gleitet der Stahlbogen über die Balken und treibt dabei die 13 Zentimeter langen Klammern jeweils drei Zentimeter tief in das helle Holz.

Die gestalterische Arbeit mit Holz macht den Mitarbeitern bei WeberHaus Freude – das hört man immer wieder. Zum Beispiel von Zimmermann Werner Hauß: „Ich will etwas erschaffen; ein Bürojob, das wäre nichts für mich“, sagt er. Beinahe 40 Jahren arbeitet er für WeberHaus. „Ich habe miterlebt, wie das Unternehmen gewachsen ist. Und ebenso all die Fortschritte im Hausbau. Schon beeindruckend, was Maschinen heute alles machen können.“ Es klingt ein wenig Schwermut mit, als er das sagt. Bedeuten die Maschinen, dass altes  Handwerk etwas zurückweicht? „Das schon. Aber auf der anderen Seite ist die Arbeit dank der Maschinen viel präziser geworden. Und die körperliche Belastung ist im Vergleich zu früher viel geringer.“

Produktionsmitarbeiter

Werner Hauß arbeitet bereits seit fast 40 Jahren für WeberHaus. Er liebt die Arbeit mit Holz: „Ein Bürojob, das wäre nichts für mich“

Auf der Strecke bleibt das Handwerk allerdings nicht. Nicht bei WeberHaus. Das beweist ein Gang in die Halle mit den Lehrlingen. Etwa ein Dutzend sind heute hier und arbeiten an verschiedenen Plätzen. In der Halle stehen mehrere Holzkonstruktionen, die aussehen wie Miniaturdächer.Für Jürgen Peter ist das mehr als nostalgische Handwerksromantik: „Jeder Mitarbeiter muss genau wissen, was die Maschinen tun. Deshalb muss jeder Zimmermann als Teil der Gesellenprüfung auch handwerkliches Geschick beweisen, indem er ein solches Dach baut.“ Eine Strategie, die aufgeht und die im ganzen Unternehmen gelebt wird. „Pro Jahr kommen etwa zehn junge Leute zu uns für eine Ausbildung“, sagt Jürgen Peter. Aktuell erlernen 27 Azubis bei WeberHaus das Zimmerhandwerk.

Und wie viele Azubis würde das Unternehmen gerne übernehmen? Der Produktionsleiter überlegt nicht lange: „Alle“, sagt er schlicht und mit einem Ton der Selbstverständlichkeit. „Wir brauchen gute Fachkräfte – und wir halten sie auch.“

Auszubildende

WeberHaus legt großen Wert auf die Ausbildung der Lehrlinge - am Liebsten werden sie nach der Ausbildung direkt alle übernommen.

Wer das Produktionswerk in Rheinau-Linx besucht, bekommt ein Gefühl für Größe. Die Anlage misst rund 24.000 Quadratmeter – mehr als drei Bundesliga-Fußballfelder. Damit bei der Produktion alles glattgeht, gilt es hier den Überblick zu behalten. Und das macht Produktionsleiter Jürgen Peter Freude: „Schließlich bauen wir hier für andere Menschen ein Zuhause.“

Sobald die Planungen für ein Haus abgeschlossen sind, folgt Schritt für Schritt die Konstruktion. Balken werden vermessen, maschinell zugeschnitten und mit millimetergenauen Bohrungen versehen. Sie bilden das Gerüst für Dach und Wände. Per Hand fügen Mitarbeiter mineralische Dämmwolle ein, anschließend kommen die dämmenden Holzfaserplatten darauf. Große Sägeblätter gleiten hier und da durch das Holz, als wäre es Butter. In Windeseile entsteht eine Wolke aus feinem Holzstaub; zum Glück bloß hinter dicken Glasscheiben. Die Holzspäne werden dann abgesaugt. In der kalten Jahreszeit dienen sie dazu, die Halle zu beheizen.

Jedes WeberHaus entsteht in Fertigbauweise – aber jedes ist anders. Sonderanfertigungen bei der Konstruktion sind eher die Regel, keine Ausnahme. „Das ist ja das Schöne: Mit Holz kannst du alles machen“, sagt Wayne Rauscher. Der junge Mann Anfang 20 kontrolliert unterschiedliche Holzgebilde auf deren Passgenauigkeit. „Stein wäre mir zu langweilig“, sagt er beiläufig. Jürgen Peter macht derweil einen Schritt zur Seite: Zügig huscht automatisch eine Palette mit Holz an ihm vorbei – auf Schienen, die im Boden eingelassen sind. Die Art, wie die Arbeit hier abläuft, erinnert an ein präzise tickendes Uhrwerk, in dem jeder Neuling sich erst zurechtfinden muss. Diese Präzision beginnt bei der Planung der Häuser auf dem Rechner und zieht sich bis zum Schluss durch alle Abteilungen.

Produktionsmitarbeiter

Mehmet Candas überprüft Holzbalken und gleicht sie mit Daten ab, die ihm die Hauskonstrukteure nach der  Planungsphase vorgeben.

Produktionsmitarbeiter

Sebastian Bühler beim Einsetzen eines Fensters. „Eine sehr verantwortungsvolle Arbeit, denn die Dichtungen müssen perfekt sitzen“.

Fertige Bauteile kommen in die Verladehalle. Es ist hier deutlich ruhiger – keine surrenden Sägen und kreischenden Maschinen. „Hier wird halt nicht so viel gearbeitet“, sagt Jürgen Peter lachend und fügt dann hinzu, „zumindest nicht mit den lauten Maschinen.“ Manche der Maschinen sind so groß wie ein Gartenhaus. Vor einer – sie schneidet Gipsplatten zurecht – bleibt der Produktionsleiter etwas länger stehen. „Ist eine Sonderanfertigung. Weltweit gibt’s nur zwei Stück davon.“ Ein gewisser Stolz ist ihm da sofort anzumerken.

Der Mix aus Handwerk und Hightech ist es, der zum fertigen Haus führt. Ohne die Handwerker läuft nichts – ohne die Maschinen aber auch nicht. Deshalb hält sich WeberHaus auf dem Stand der Dinge im Hinblick auf den Maschinenbau. Jürgen Peter lächelt. „Es gibt immer etwas Neues. Die Technik bleibt ja nicht stehen. Und wir von WeberHaus wollen da nicht hinterherrennen, sondern Vorreiter sein.“

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