BAUTECHNIK

Was moderne Fenster heute können

Im Interview: WeberHaus-Experte berichtet über moderne Fenster

Siegfried Lettko

ist seit 2003 Produktmanager bei WeberHaus. Wir haben ihn gefragt, was ein modernes Fenster können muss, welche Farben im Trend liegen und was er zuletzt aus seinem Fenster beobachtet hat.

Welche Materialien stecken in einem modernen Fenster?

Siegfried Lettko: Bei WeberHaus bieten wir Fenster aus drei Materialien an: Kunststoff, Holz und Holz-Aluminium.

Kunststoff-Fenster sind die Klassiker und werden von ca. 90 Prozent der Kunden gewählt. Die Rahmen bestehen aus witterungsbeständigem, hochschlagfestem Kunststoff. Sie sind mit Stahl verstärkt und verfügen über mehrere (Hohl-)Kammern und Dichtungsebenen. Kunststoff-Fenster sind pflegeleicht und müssen nicht regelmäßig gestrichen werden. Das ist bei Holz-Fenstern anders. Hier ist eine regelmäßige Pflege nötig. Deswegen werden sie nur noch selten eingesetzt. Holz-Aluminium-Fenster verbinden beide Materialien. Auf das Holz-Fenster wird von außen eine Aluminium-Schale aufgesetzt. Dadurch sind sie witterungsbeständig und müssen nicht gestrichen werden. Damit steigt allerdings auch der Preis.

Und wie sieht es mit dem Glas aus?

Siegfried Lettko: Die Verglasung besteht bei allen Fenster-Typen aus 3-Scheiben-Wärmeschutzverglasung mit umlaufender Gummidichtung. Der Scheibenzwischenraum ist mit Edelgas gefüllt, um die Energieeffizienz weiter zu erhöhen.

Welche Elemente gehören noch zum Fenster?

Siegfried Lettko: Es gibt noch einen Fenstergriff – auf Wunsch abschließbar – und die Schließteile am Rahmen. Für eine erhöhte Sicherheit sind sämtliche Schließpunkte bei unseren Fenstern mit Pilzkopfzapfenverriegelung ausgestattet. Dadurch lassen sie sich schwerer aufhebeln und verhindern Einbrüche.

Für mich gehört auch die Außenfensterbank noch zum Fenster. Bei WeberHaus nutzen wir dafür Naturstein. Andere Hersteller setzen aus Kostengründen häufig Aluminium-Fensterbänke ein. Das ist optisch nicht so hochwertig und Sie hören darauf jeden Regentropfen. Außerdem dehnt sich Aluminium bei Hitze aus, was langfristig zu Problemen führen kann.

Warum sind moderne Fenster so wichtig für die Energieeffizienz?

Siegfried Lettko: Fenster sind Teil der Gebäudehülle. Wer Energiesparen will, muss den Wärmedurchgang durch die Gebäudehülle minimieren. Moderne Fenster sind nicht nur gut gedämmt, sondern auch luftdicht. Erwärmte Raumluft kann nicht durch Fugen und Ritzen nach außen entweichen. Die Wärme bleibt somit im Gebäude.

Was sind die aktuellen Trends bei Fenstern?

Siegfried Lettko: Trendfarben beim Fenster sind Weiß und Anthrazit. Neben klassischen Rollläden – bei WeberHaus immer elektrisch – sind gerade bei modernen Häusern Raffstores sehr gefragt. Dadurch lässt sich die Sonneneinstrahlung sehr genau regulieren.

Eine weitere Neuheit sind spezielles Fenstersystem (Soreg-Glide), bei dem die Rahmen unsichtbar in die Wandkonstruktion verbaut werden. Das ist sehr modern, allerdings auch aufwändig und kostspielig.

Wie werden Fenster ins Smart Home integriert?

Siegfried Lettko: Es gibt Fenstergriffe, die erkennen, ob ein Fenster offen, gekippt oder geschlossen ist. Ist man nicht Zuhause und die Stellung des Griffs ändert sich, wird zum Beispiel eine Alarmmeldung ans Smartphone gesendet.

Welche Fenstertypen gibt es?

Siegfried Lettko: Es gibt das klassische Fenster mit einem Flügel zum Aufklappen und Kippen – entweder mit Brüstung oder als Fenstertür. An nicht zugänglichen Stellen, wie im Treppenhaus, können festverglaste Fenster ohne Öffnung eingesetzt werden. Im Trend sind auch Lichtbänder: schmale, aber breite Fenster. Im Wohn- und Essbereich sind Hebe-Schiebe-Türen beliebt. Die Fenster sind zweigeteilt. Ein Element ist fest und das andere kann parallel davorgeschoben werden. Bei Fenstertüren zur Terrasse wünschen sich viele Bauherren außerdem einen schwellenfreien Austritt. Diese Barrierefreiheit hilft nicht nur im Alter. Alle Hausbewohner profitieren von mehr Komfort. Auf den Dachflächen geht der Trend zu Duo- oder Trio-Lösungen. Mehrere Fenster werden hier in einem Element nebeneinander angeordnet.

Warum sind große Fenster so beliebt?

Siegfried Lettko: Wir sehnen uns alle nach Sonnenlicht. Die heutige Generation ist eine „Indoor Generation“. Wir verbringen fast 90 Prozent unserer Zeit in geschlossenen Räumen. In der Menschheitsgeschichte gab es aber einen 24-Stunden-Rhythmus mit entsprechendem Lichtwechsel. Dieser Rhythmus gilt heute nicht mehr. Die richtige Dosis an Tageslicht in einem stabilen Hell-Dunkel-Zyklus ist entscheidend für einen gesunden Biorhythmus und das biologische Gleichgewicht. Tageslicht macht glücklich und steigert die Leistungsfähigkeit. Deswegen sollte der Schreibtisch zum Beispiel am Fenster stehen.

Der Lieblingsplatz im Licht: Das Sitzbankfenster wird schnell zum heiß umkämpften Lieblingsplatz. Außerdem ist es voll im Trend. 

Worauf sollten Bauherren bei der Wahl der Fenster achten?

Siegfried Lettko: Für das Thema Energieeffizienz sind die Ug- und Uw-Werte wichtig (siehe nächste Frage). Beim Material ist wichtig, ob der Bauherr pflegeleichte Fenster möchte oder bereit ist, zu streichen. Für die Sicherheit sollte auf die Schließteile geachtet werden: Wie viele gibt es und wie sind sie ausgeführt? Am besten sind hierbei Pilzkopfzapfenverriegelungen. Auch ein Blick auf mögliche Zertifikate lohnt sich: Die Kunststoff-Fenster von WeberHaus sind vom ift (Institut für Fenstertechnologie, Rosenheim) passivhaus-zertifiziert, das heißt besonders energieeffizient.

Was ist der U-Wert eines Fensters?

Siegfried Lettko: Der Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert) ist die Maßeinheit zur Ermittlung des Wärmeverlustes eines Bauteils. Beim Fenster wird unterschieden zwischen dem Ug- und Uw-Wert. Je kleiner die Werte, umso besser. Beim Ug-Wert wird der Dämmwert vom Glas ohne Rahmen abgebildet. Das g steht für glass (engl. für Glas). Bei WeberHaus beträgt dieser derzeit 0,6 W/m²K. Der Uw-Wert beschreibt den Dämmwert für das ganze Fenster, also Glas und Rahmen. Das w steht für window (engl. für Fenster). Für die Kunststoff-Fenster von WeberHaus beträgt der Uw-Wert 0,8 W/m²K. Ein Tipp: Bauherren sollten beim U-Wert genau nachfragen. Es gibt Haus-Hersteller, die nur einen U-Wert nennen, ohne anzugeben, ob es sich um den Ug- oder Uw-Wert handelt. Oft wird dann nur der niedrigere Ug-Wert genannt, obwohl der Uw-Wert deutlich höher liegt.

Die letzte schöne Beobachtung, die Sie durch ein Fenster gemacht haben?

Siegfried Lettko: Wie ein Meisen-Pärchen den Nistkasten vor dem Esszimmer-Fenster bezog.

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